Lightningsoul

GameStar Praktikum Erfahrungsbericht

Was lange währt, wird endlich gut könnte man meinen angesichts der Tatsache, dass dieser Erfahrungsbericht sage und schreibe 7 Jahre auf sich warten ließ. Leider ist diese Geschichte eine ohne Happy End.

So trug es sich zu, dass ich wieder einmal auf GameStar.de surfte und eine der zahlreichen Annoncen für ein Praktikum in der Redaktion bei GameStar selbst erblickte. Ich klickte wie immer darauf und vor mir tat sich die Berufsbezeichnung nebst einiger Infos auf, die ich mir aufmerksam durchlas: 

Praktikant bei Special Projects

Das klang nicht nur spannend, extraordinär und einfach sehr erstrebenswert. Nein, das Ganze wurde auch fulminant umworben. An den genauen Wortlaut kann ich mich nach all den Jahren nicht mehr erinnern, allerdings ist mir im Gedächtnis, dass das Schriftstück meine Aufmerksamkeit nur noch gen Unendlichkeit erweiterte. Ich nahm meinen Mut zusammen, schrieb die beste Bewerbung, die ich bis dato verfasste und sandte alles an IDG in München

Rund zwei Wochen später erhielt ich einen Anruf der Personalabteilung selbigen Medienhauses aus der bayerischen Landeshauptstadt und traute meinen Ohren kaum, ich war eingeladen zum Vorstellungsgespräch! Natürlich bin ich höchst aufgeregt dort erschienen, nebst Bewerbungsunterlagen im Täschle und versuchte ein bestmögliches Bild meines arbeitenden Selbsts zu erzeugen, wie bei jeder Bewerbung eines jeden, der den Job haben möchte. 

Nach einiger Plänkelei mit dem Chefredakteur der GameStar persönlich – Gunnar Lott zu dieser Zeit. Ja, man mag es kaum glauben, dass der Lott(o)gewinn mir gegenübersaß und sich Zeit für ein so unspektakuläres Interview mit einem Eventuellpraktikanten nahm. 

Als erstes nahm der gute Mann meine Bewerbung genauer ins Visier. Löblich, sagte er, aber dennoch stylistisch nicht 100% akkurat. Ich schub natürlich sofort ein, dass er gerne ins Detail gehen dürfte, damit ich von redaktioneller Fachkraft persönlich die ultimativen Tipps abgreifen könne fürs nächste mal. Er erwies sich sehr auskunftsfreudig und erörterte unter anderem, dass selbst im Header und fürs Logo keine anderen Schriftarten als die eine für das Anschreiben verwandt werden sollten. 

Einige Plänkelein später redeten wir übers Kerngeschäft, dem Wissen um World of Warcraft, um das es bei dem Praktikum hauptsächlich gehen würde. Denn Special Projects beschäftigt sich zum großen Teil mit der Publikation des nahezu rein von Blizzards MMO bestimmten WoW Magazins

Natürlich gab ich ehrlich an, dass ich von WoW wenig bis gar keine Ahnung hätte und höchstens mal bis Level 7 gespielt hatte. Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass dies ein klares Manko sein würde, allerdings hätte Lügen auch wenig geholfen, da ich mir schlecht ausdenken könnte wie die Zwischengegner oder gar seltene Waffen oder ähnliches heißen. Und schließlich heißt es nicht umsonst: Ehrlichkeit währt am längsten! 

Nun denn, man verabschiedete sich freundlich von ihm und der netten Dame gegenüber und fuhr nach Hause. Ein paar Tage später klingelte erneut das Telefon: IDG möchte Sie gern als Praktikant einstellen. "Na, was, wieso, warum, hallo?", sagte ich natürlich nicht, sondern bedankte mich recht freundlich und freute mich den ganzen Tag riesig auf meine neue Aufgabe. Natürlich trommelte ich gleich alles zusammen, was ich an WoW Erfahrung aufzubieten hatte und besorgte mir telefonische Unterstützung bei meinem langjährigen Zockkompagnon Darks0ul (wer ahnt es?) aus Essen. Langweiler nennen ihn auch Matze, aber wie dieser Name zustande gekommen ist, spar ich euch jetzt aus Gründen der totalen Einfältigkeit. 

Ab auf den Server, "MORGEN BIN ICH LEVEL 60" (der damalige Levelcap, wenn ich mich recht erinnere). Natürlich dauerte es sehr viel länger als ich dachte und die rechte Lust an World of Warcraft wollte bei mir auch nie so recht aufkommen. Dennoch arbeitete ich mich in die Serverstruktur ein und verwaltete ein im Intranet bestehendes WoW System, dass es erlaubt quasi wie online zu spielen, nur eben im Heimnetzwerk. Vorteil davon ist natürlich die sehr viel schnellere Ressourcenbeschaffung. Und nein, ich rede nicht von Gold. Es geht dabei natürlich um Screenshots für Artikel oder Informationsbeschaffung bzw. Abgleich mit eingehenden Artikeln von freien Autoren

Nebenbei arbeitete ich eng mit einer Lektorin zusammen, damit das Magazin auch nahezu fehlerfrei in den Handel wandert, baute Kulissen auf und schrieb selbst das ein oder andere Schriftstück. 

Und nun, da wir in der Mitte der Geschichte angekommen sind, beginnt die rapide Talfahrt. Eines glorreichen Tages bekam ich den Auftrag die erste News für GameStar.de zu schreiben und gab mir redlich Mühe, orientierte mich an ähnlichen vorhergehenden Posts, korrigierte alles doppelt und dreifach, formulierte um und ümmer, dass doch bitte alles erste Sahne online ginge. 

Dirk Steiger, mein direkter Chef und Leiter von Special Projects sagte mir damals, dass doch Nino Kerl, ein Mitarbeiter bei SP noch einen Blick darauf werfen solle. Ich reichte also fröhlich mein Erstlingswerk digital zum Nachbartisch und hörte nur noch ein lautes Grummeln, gefolgt von „"das ist ja alles scheiße"!“ 

Kurz benommen von dieser aussagestarken Information senkte ich mein Haupt gen Nino und fragte "„wie meinen – was genau ist denn Scheisse?"“ 

„"Ja, alles, da passt ja stylistisch nix zusammen!“"

Ich dachte an einen Scherz, hatte ich doch reichlich Mühe investiert und dachte bislang auch nicht, dass literarische Meisterwerke nötig seien um auf GameStar.de Veröffentlichung zu finden. Also sagte ich flapsig „"du Arsch"“ und grinste. Völlig aus dem Häuschen schrie er mich an, ich solle ihn doch nie wieder Arsch nennen und was ich mir dabei denken würde. Daraufhin nahm ich das natürlich sofort wieder zurück und erklärte mein Vorgehen. Eine Antwort was denn nun stylistisch so völlig Scheiße sei, bekam ich leider nicht. Vielleicht korrigiert der Herr Kerl noch heute im GameStar-Archivat die News, damit sie im stylistischen Einerlei der Onlinenews endlich den begehrten Pulitzerpreis bekommt, den der Nino sich so sehr wünscht. 

Eines anderen Tages kam die Kollegin mit dem netten Herrn von oben (gemeint ist der Text, nicht das Stockwerk liebe Leser!) herein und aus dem Nichts raunte es mich an: „"Wie ist das eigentlich, wenn man so gar nichts kann?“" 

Steffi, die direkt neben ihm stand, sagte nur: „"NINO!" 

Ich schaute sie nur beschwichtigend an und sagte nichts, da ich mir schon längst meinen Teil über diese Ausgeburt der Hölle dachte. Und wer ernsthaft derart lachhafte Kritik an einem Praktikanten übt, der Vollzeit für 400 Euro arbeitet, hat meines Erachtens eine Daseinsberechtigung im Bereich der Anerkennung ernsthaft angebrachter Kritik nicht verdient. 

Nun denn, hier muss ich leider kurz ausholen: Ich verdiente also 400 Euro für rund 180 Stunden im Monat, also gute 2 Euro pro Stunde. Meine damalige Lebensgefährtin war davon natürlich alles andere als begeistert und ließ mich auch nur gewähren, da ich versprach nicht noch nebenbei zu arbeiten, sondern die restliche Zeit ihr zu widmen. Dass wir zusammenwohnten und uns die Miete in einer der teuersten deutschen Städte teilten, versteht sich von selbst. 

Also ging ich eines Abends um 17:03 Uhr (den genauen Zeitpunkt weiß ich natürlich nicht mehr, aber so in dem Dreh wird es gewesen sein) und vergaß etwas - also zurück mit den langen Beinen! Kurz vorm Büro angekommen, hörte ich dann ein Gespräch mit, das in etwa wie folgt ablief: 

Dirk Steiger: „"Wenn er jeden Abend so früh geht, scheint die Motivation ja auch nicht so riesig zu sein.“" 

Nino Kerl: „"Der ist ja auch überhaupt nicht motiviert hier irgendwas zu tun."“ 

Dirk Steiger: „"Da fragt man sich doch, warum er sich überhaupt beworben hat.“" 

... 

Ich hielt nicht lange inne und ging dann einfach frech rein, nahm was ich vergessen hatte und bin gegangen. Die hochroten Köpfe der beiden werde ich wohl so schnell nicht aus meinem Kopf bekommen. Hätte man mir ja auch sagen können, dass man erwartet, dass ich min. 12 Stunden am Tag arbeite. Vielleicht hätte ich sogar die Nacht durcharbeiten können, dann hätte ich mir die Miete wenigstens gespart

Naja, lange Rede kurzer Sinn, aufgrund des durch wenige Mitarbeiter des Gesamtunternehmens IDG hervorgerufenen fantastisch schlechten Betriebsklimas zog ich es ohnehin vor lieber müllabfuhrschuhputzender Waschbär zu werden und ging nach fünf Monaten und hinterließ den beiden netteren Kollegen von den drein jeweils eine Flasche Sekt und einen Zettel mit "Danke" darauf. Für den Nino hatte ich leider keine mehr übrig, tja Schade! 

Und die Moral von der Geschicht? Lasst euch nicht blenden von Leuten, die in den Medien arbeiten und immer extrem nett und cool rüberkommen. Meist sind genau das die größten Psychopathen mit Minderwertigkeitskomplexen und Impotenz, die ihr euch vorstellen könnt. Arbeitet lieber in einem kleinen Betrieb mit netten Kollegen und coolen Aufgaben als euch für solche Menschen die Hände und vor allem die Seele schmutzig zu machen. 

Nette Nebenstory: Ich traf einen der Kollegen, namentlich Clape aka Clapetek, dessen damalige Freundin die sehr nette Kollegin und auch die nette Dame aus dem Vorstellungsgespräch war, wieder als ich meiner damaligen Lebensgefährtin half ihre eigene Bäckerei aufzubauen während ich auf den Beginn meines Studiums wartete. Ich fuhr also den Wagen mit den Semmeln nach hinten und sagte nett wie ich bin "Hallo." Er schaute mich ungläubig an sagte ebenfalls "Hallo" und fügte dann sowas bei wie „"na, das ist ja auch ein Aufstieg, erst bei uns und jetzt in einer Bäckerei."“ 

Ich finde, dass dies schon eine ziemlich arrogante, menschenverachtende Aussage ist. Als ob er nun besser wäre als ein Bäcker, der ehrlich seine Brötchen backt und auch verdient. Natürlich rieb ich ihm auch nicht unter die Nase, dass unser monatlicher Umsatz in etwa seinem Jahresgehalt in Brutto entsprach. Das hätte seine sehr beschränkte Ansicht der Dinge doch zu sehr in depressive Lagen versetzt.

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